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'Dafür lohnt es sich zu kämpfen'

Lisa Makas feilt nach ihrem dritten Kreuzbandriss am Comeback

Dafür lohnt es sich zu kämpfen - Lisa Makas feilt nach ihrem dritten Kreuzbandriss am Comeback

Freud und Leid liegen oftmals nah beieinander. Gerade im Spitzensport. Speziell im Fußball. So auch am 30. Juli dieses Jahres.

Koning Willem II Stadion, Tilburg, Viertelfinale bei der UEFA Women's EURO. Das Frauen-Nationalteam kreuzte an diesem Tag die Klingen mit EM-Mitfavorit Spanien. Der Ausgang ist bekannt. Die Leidenschaft, der aufopferungsvolle, 120 Minuten andauernde Kampf, die Leichtigkeit vor dem Elferschießen, die Kaltschnäuzigkeit vom Punkt, die Parade von Manu Zinsberger, die Entscheidung durch Sarah Puntigam, der Jubel über den größten Erfolg der rot-weiß-roten Frauenfußball-Geschichte - Bilder, die sich längst in das kollektive Gedächtnis der heimischen (Frauen-)Fußballfans gebrannt haben.

Doch ebenso eiskalt, wie Österreich später im Elfmeterschießen "zuschlug", tat dies kurz vor der Halbzeit-Pause das Schicksal. Lisa Makas, die mit ihrem Tor im Gruppenspiel gegen Frankreich die Euphorie richtig los getreten und das "Sommermärchen" gewissermaßen auf Schiene gebracht hatte, riss sich bei einer Drehbewegung das Kreuzband im linken Knie. In der 42. Minute verließ sie unter Tränen das Spielfeld. "Mir war gleich klar, was los war", erinnert sich Makas.

Die nächsten Stunden verkamen zur Gefühlsachterbahn, so die 25-Jährige. Nach dem entscheidenden Elfmeter? Da jubelte sie, obwohl ihr nicht zum Jubeln zumute war. Oder jubelte sie nicht, obwohl ihr eigentlich zum Jubeln zumute gewesen wäre? "Ein Überschuss an Emotionen. Ich kann nicht beschreiben, was ich alles gefühlt habe." 

An ihren ersten klaren Gedanken danach erinnert sie sich hingegen genau. "Ich sagte mir: Das war's, ich höre auf. Ich dachte, ich hätte nicht noch einmal die Kraft, das auf mich zu nehmen." Es war die Erfahrung aus zwei vorangegangenen Kreuzbandrissen und einem weiteren Eingriff am Knie, die sie zweifeln ließ.

"Dafür lohnt es sich zu kämpfen" 

Und es waren die Teamkolleginnen, die sie neue Kraft schöpfen ließen. Spät abends, zurück im Team-Basecamp in Wageningen, zierten ihre Hotelzimmertür bunte, emotionale und vor allem aufmunternde Botschaften ihrer Mitspielerinnen. In diesem emotionalen Moment formulierte sie ein Ziel, das sie seither antreibt. "Einmal noch will ich mit dieser Mannschaft gemeinsam auf dem Feld stehen. Dafür lohnt es sich, mich zurück zu kämpfen." Gemeinsam mit Teampsychologin Mirjam Wolf wurden diesbezügliche Strategien erarbeitet.

"Wir haben zunächst die Dinge sortiert, Emotionen und Gefühle geordnet und schlussendlich Zwischen- und Detailziele erarbeitet", erklärt Wolf den komplexen Prozess. Die Vertrauensbasis zwischen beiden ist groß, unterstreicht Makas. "Mirjam begleitet mich schon sehr lange, wir tauschen uns ständig aus. Es ist, wie mit einer guten Freundin zu reden." Die Sportpsychologin habe ihr bereits in der Vergangenheit geholfen, Verletzungen hinter sich zu lassen. "Ohne Mirjams Unterstützung wäre ich wahrscheinlich nach meinem zweiten Kreuzbandriss schon nicht zurückgekehrt."

Ski-Asse vermittelten

Zurück in Österreich wollte nun der dritte Kreuzbandriss operiert werden. Auf Anraten der Ski-Asse Nici Schmidhofer und Armin Assinger, die mit dem ÖFB-Team nach der Rückkehr auf dem Rathausplatz feierten, suchte Makas Dr. Christian Fink im Klinikum Hochrum in Tirol auf. "Ich fühlte mich auf Anhieb wohl und in guten Händen", so die 43-fache Teamspielerin.

Schon am 22. August erfolgte die Operation, seither ersetzt eine Quadriceps-Sehne das beschädigte Band im linken Knie. Fink, der in Hochrum neben zahlreichen ÖSV-Stars auch schon Lindsey Vonn und Aksel Lund Svindal behandelte, bestätigt, dass eine Rückkehr auf Topniveau auch nach dem dritten Eingriff am Kreuzband keinesfalls ausgeschlossen sei. "Es gibt genügend Beispiele von Sportlern, die es geschafft haben", so Fink. "Lisa lässt jedenfalls keinen Zweifel aufkommen. Das zeichnet sie aus." Jetzt komme es vor allem auf den Verlauf der Reha an.

Die 18-fache ÖFB-Teamtorschützin schuftet seit Ende August in der Praxis von 'Sporttherapie Huber und Mair' in Innsbruck. "Ich beginne um 08:00 Uhr mit der Therapie und bin teilweise bis 18:00 beschäftigt. Die Behandlungen sind perfekt aufeinander abgestimmt, das Team ist sehr erfahren", schöpft Makas im professionellen Umfeld samt moderner Trainingsgeräte zusätzliche Motivation.

Einstellung zeichnet Makas aus

Franziska Donner, die Therapeutin, ist beeindruckt von der Einstellung ihrer Patientin. "Ihre Einstellung ist sehr professionell, sie liegt perfekt im Zeitplan." Makas fühlt sich in Tirol wohl. "Sie kann alle Trainingsmöglichkeiten so oft nutzen, wie sie will", sagt Donner. Die nächsten Zwischenziele? "Ende Dezember mit dem Laufen zu beginnen", so Makas, die von Stammverein MSV Duisburg grundsätzlich freie Hand genießt. "Dafür und für die immerwährende Unterstützung seitens des ÖFB bin ich sehr dankbar."

Auf eventuelle Rückschläge ist die Niederösterreicherin ebenfalls vorbereitet, auch dank Mirjam Wolf. "Wir reflektieren ständig, haben auch für diesen Fall Strategien erarbeitet", betont die Sportpsychologin, die wie alle Behandelnden die Einstellung Makas hervorhebt: "Mit der Art und Weise, wie Lisa mit ihrer Situation umgeht und sich reinhängt, kann sie anderen Athleten ein Vorbild sein."

Verläuft alles weiterhin nach Plan, sollen abschließende Tests im Sommer grünes Licht für ihre Rückkehr aufs Feld bringen. Bis dorthin wird Lisa Makas weiterhin täglich hart an ihrem großen Ziel arbeiten, noch einmal mit "ihrer" Mannschaft auf dem Feld stehen zu dürfen. Und anders als am 30. Juli 2017 wird die Freud‘ den Tag dann garantiert nicht mit dem Leid teilen müssen.


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