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Schritt für Schritt nach oben

Schiedsrichter-Nachwuchstalent Sebastian Gishamer im Gespräch

Schritt für Schritt nach oben - Schiedsrichter-Nachwuchstalent Sebastian Gishamer im Gespräch

 

Sebastian Gishamer wird das neue Gesicht in der tipico Bundesliga. Der 28-jährige Salzburger schaffte bereits als 20-Jähriger den Sprung in die Regionalliga West, leitete 2009 sein erstes Spiel im ÖFB-Cup, feierte 2013 sein Debüt als Schiedsrichter in der Sky Go Ersten Liga. Internationale Luft schnupperte Gishamer erstmals 2010 als Assistent von Bernhard Brugger in der Schweizer Super League, und er hatte 2012 als Assistent von Oliver Drachta seinen ersten internationalen Einsatz in der UEFA Europa League. Im Zivilberuf ist Sebastian Gishamer Bauingenieur, im Interview spricht er über seine Ziele, die Ausbildung und über Vaterfreuden. 


Herr Gishamer, sie sind im Zivilberuf Bauingenieur, wie passen der Job mit der Tätigkeit als Schiedsrichter zusammen?

Da gibt es schon ein paar Parallelen. Ich habe Baustellen zu koordinieren, zu prüfen und Firmen zu managen. Das ist wie bei den Spielertypen auf dem Platz. Einerseits sind Korrekturen notwendig, Prüfungen und auch die richtigen Anweisungen sind wichtig – das ist im Job ähnlich dem Schiedsrichterwesen.


Was bedeutet diese neu erreichte Stufe im Schiedsrichterwesen für Sie?

Als ich als Schiri begonnen habe, habe ich noch nicht an Einsätze in der tipico Bundesliga gedacht. Ich setzte mir meine Ziele step-by-step. Nach der Sky Go Ersten Liga war mein nächstes Ziel in der Bundesliga eins Referee zu sein. Der Traum ist in Erfüllung gegangen und dies ist auch eine Anerkennung für das, was ich bisher geleistet hab. Da hast du nun aber noch mehr Verantwortung, weil diese Liga noch stärker im Fokus der Öffentlichkeit ist.


Salzburg hat mit Christopher Jäger und Ihnen nun zwei Schiedsrichter aus Salzburg?

Christopher Jäger und ich sind 2004 im gleichen Schiedsrichter Grundkurs gesessen. Zu Christopher gibt es eine echte Freundschaft, wir machen auch viel privat miteinander und tauschen uns aus. Ich war schon einige Male 4. Offizieller bei ihm. Wir diskutieren auch abseits der Spiele über Höhepunkte, aber auch über Spiele, die vielleicht nicht so gut gelaufen sind.


Was zeichnet Sie als Schiedsrichter aus?

Ich würde meine große Stärke unter dem Aspekt Persönlichkeit zusammenfassen. Ich kann sehr gut mit Menschen umgehen, spreche auch während dem Spiel mit den Spielern und ich kann, so denke ich, im Umgang mit den Spielern gut einschätzen, welche Spielertypen das sind. Wenn man im Umgang mit Personen deren Verhaltensweisen durchschaut, dann kann man gut darauf reagieren.


Was war bisher das kniffligste Spiel?

Jedes Spiel ist ab der ersten Minute knifflig, weil man nicht weiß, was auf einem zukommt. Spannend war mein zweiter Einsatz in der zweiten Liga beim Spiel Lustenau gegen Hartberg, mein erstes offizielles Spiel in der Spielsaison. Ich habe bei Hartberg zwei Rote Karten gegeben und Hartberg hat in der Nachspielzeit das 1:0 erzielt.  


Wie sehen Sie die zukünftigen Entwicklungen mit Videobeweis oder Torlinien-Technologie?

Ich bin da sehr offen, denn alles, was dem Schiri zur besseren Entscheidungsfindung hilft ist positiv. Das ist nicht nur die Torlinien-Technologie oder der Videobeweis, denn auch Headset, Freistoßspray oder Funkfahnen haben sich als positiv im Schiedsrichterwesen gezeigt. Es gehört klar geregelt, wann ein Video Beweis unter welchen Kriterien eingesetzt wird. Der Zuschauer sieht fünf Zeitlupen von jeder Aktion und warum sollen wir Referees uns dagegen verschließen.


Wie beurteilen Sie die Ausbildung in Österreich?

Insgesamt sehr positiv. Es gibt immer Verbesserungsmöglichkeiten wie zB ein noch dichteres Schulungsprogramm. Alles in allem ist aber der Aufwand jetzt schon sehr hoch, denn es gibt immer noch einen Zivilberuf, den man auch ausführen muss. Ich sehe Profi-Schiedsrichter in Österreich derzeit nicht, aber das ist eine Frage der Finanzierbarkeit und der Zielsetzung im heimischen Schiedsrichterwesen.


Was raten Sie einem jungen Sportler oder Sportlerin, der/die die Karriere eines Schiedsrichters/einer Schiedsrichterin einschlagen möchte?

Das Wichtigste ist für mich viel Spaß und Freude. Wenn du ohne Freude zum Spiel fährst, ist das ganz schlecht für die Leistung; und man sollte immer authentisch bleiben. Alles, was man selber beitragen kann, sollte so gut es geht gemacht werden. Dazu zählen Kondition, Kenntnisse der Regeltechnik usw.


Was macht ein Sebastian Gishamer, wenn er nicht pfeift?

Ich bin natürlich sehr stark mit dem Sport verbunden, gehe privat gerne auf den Fußballplatz in meiner Heimatgemeinde Seekirchen am Wallersee, oder nach Anthering. Das ist immer ein Erlebnis, viele Bekannte und Freunde zu treffen. Ansonsten verbringe ich Zeit mit meiner Lebenspartnerin, Familie und Freunden. 2016 war für mich ein tolles Jahr, 2017 wird ein Jahr der freudigen Erwartung, denn wir werden schon bald Eltern – das ist eine ganz neue Herausforderung.


Was sind nun die nächsten sportlichen Ziele?

Man muss Ziele haben, um seine Leistungen auf hohem Level bringen zu können. Ich möchte jetzt einmal Fuß fassen, mich in der Liga etablieren, und alles Weitere wird sich weisen. Natürlich blickt man auch zur internationalen Bühne.

 

 

Das Interview stammt aus dem aktuellen ÖFB Corner 04/2016 und ist unter folgendem Link erhältlich.

 


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